Hereinspaziert ins Apenser Talentnest

APENSEN. Wegen seiner herausragenden Jugendarbeit zählt der Schützenverein Apensen zu den Talentnestern des Nordwestdeutschen Schützenbundes. Bei der Aktion Ferienspaß lernen Schüler den Schützensport kennen.

Betreuer Willi Horn zeigt Teilnehmer Ben (6) , wie er mit dem Lichtpunktgewehr richtig zielt. FotosBeneke

Aufgeregt stehen die Mädchen und Jungen im Schießsportzentrum an der Fruchtallee, wo Rolf Bürger und sein sechsköpfiges Helferteam sie in Empfang nehmen. Sie haben für jeden Teilnehmer ein Namensschild vorbereitet. Zu Beginn ihres dreistündigen Besuches erhalten die Kinder eine Einweisung. „Wir spielen hier nicht Cowboy und Indianer“, stellt der Vereinschef klar. „Das Gewehr wird immer weg von den Leuten gehalten. Wir zielen nicht auf Menschen.“ Wer von der Munition aus einem Luftgewehr getroffen wird, kann schwere Verletzungen davontragen.

Zum fünften Mal beteiligt sich der Schützenverein am Ferienspaß-Programm. Mit einem spielerischen Angebot sollen die Mädchen und Jungen an den Schießsport herangeführt werden. Dazu hat die Mannschaft zum Beispiel das Brettspiel „Mensch ärgere dich nicht“ leicht umgewandelt. Anstatt zu würfeln, schießen die Teilnehmer. Sie setzen die Figuren entsprechend der erreichten Ringzahl. Doch bevor es losgeht, stehen erst einmal Übungen zur Konzentration und zum Zielen auf dem Programm. Die meisten Kinder aus der Gruppe halten zum ersten Mal eine Waffe in den Händen.

Die Jüngeren gehen zum Lichtpunktschießen. „Da kann nichts passieren“, sagt Rolf Bürger. Hier wird nicht mit Munition geschossen. Die Schützen visieren einen großen roten Kreis an einer weißen Wand an. Er symbolisiert die Zielscheibe. Auf einem Laptop, der mit der Anlage verbunden ist, lässt sich dann nachvollziehen, wie treffsicher der Sportler war. Das Computerprogramm rechnet aus, welche Ringzahl er erreicht hat. Als Erster nimmt Teilnehmer Ben das Luftgewehr in die Hand, das auf der Metallhalterung auf einem Holztisch abgestützt ist. Betreuer Willi Horn zeigt ihm den richtigen Griff.

Zum ersten Mal schießt Teilnehmer Felix (10) mit dem Luftgewehr. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die hohe Kunst des Schießens

Auf dem Boden hat er aufgemalt, wo der Sechsjährige seine Füße platzieren muss, damit er einen sicheren Stand hat. „Die Spitzen zeigen nach vorne“, erklärt Willi Horn. Da Ben mit der rechten Hand schießen wird, steht sein linker Fuß etwas weiter vorne. Der Kopf ist gerade, das Kinn leicht ans Gewehr gelehnt. „Mach mal einen langen Hals“, rät der Betreuer. „Jetzt versuchst du, da hinten das Ziel zu finden.“ Ben schaut skeptisch drein. Er hat Schwierigkeiten, den roten Punkt anzuvisieren. Willi Horn nimmt sich Zeit. Er hilft ihm, in dem er seinen Finger langsam vom Zielfernrohr wegführt.

Derweil stellt Betreuerin Ulrike Hauschild nebenan die Lichtpunktpistole vor. „Damit zu schießen ist gar nicht so einfach“, gibt sie zu bedenken. Selbst die versierte Schützin Rika, die als Erstklässlerin mit dem Sportschießen gestartet ist, braucht eine Weile, bis sie sich an die Pistole gewöhnt hat. Normalerweise schießt die 13-Jährige mit dem Luftgewehr: „Hier zitterst du viel mehr.“ Sie steht im 90-Grad-Winkel zur Wand, hält die Pistole mit dem ausgestreckten rechten Arm und deckt sich mit der linken Hand das linke Auge zu. Rika kontrolliert ihre Atmung – und drückt ab.

„Geht doch“, sagt die Achtklässlerin nach dem Blick auf den Laptop. Gingen die ersten Schüsse noch daneben, hat sie jetzt voll ins Schwarze – oder besser gesagt: ins Rote – getroffen. Mit einem Grinsen im Gesicht übergibt Rika die Pistole an Teilnehmer Yannick. Sein älterer Bruder ist bei den Sportschützen aktiv, er selbst hat schon ein paar Mal hereingeschnuppert. Rika hilft ihm, das Auflage-Stativ nachzujustieren. Dann legt er los. Zunächst verfehlt Yannick das Ziel, hat aber bald einen Lauf: Der Achtjährige schießt eine Vier, eine Sechs und schließlich „eine Sieben“, wie er stolz in den Saal ruft.

Inzwischen kommt auch Ben, der zum ersten Mal beim Ferienspaßprogramm im Apenser Schießsportzentrum dabei ist, mit dem Lichtpunktgewehr zurecht. Nach einer Viertelstunde wird gewechselt, ein anderer Junge tritt an die Waffe. Ben bleibt am Laptop stehen und kommentiert das Geschehen. „Der war besser als ich“, ruft er – und wenig später: „Der hat ganz schlecht geschossen.“ Bei der Gruppe im Schießstand, wo sich die älteren Schüler mit dem Luftgewehr vertraut gemacht haben, ist gerade Pause. Auf dem Tresen stehen Getränke und Snacks bereit.

Ungewohnt ist für Sportschützin Rika (13) der Griff zur Pistole. Normalerweise schießt sie mit dem Gewehr.

Tradition und Leistungssport gehören zusammen

„Tradition und Leistungssport gehören bei uns zusammen“, sagt Vereinschef Rolf Bürger, der im Schießstand die Aufsicht führt. Er zählt aktuell rund 420 Mitglieder. Nach dem Schützenfest vor einem Monat gingen 13 Neuanmeldungen ein. Nach den Ferienspaß-Terminen kamen in den vergangenen Jahren einige Mädchen und Jungen in die Gruppen. Rolf Bürger hofft, dass sich die Begeisterung für den Schießsport in diesem Jahr wieder auf die Kinder überträgt. Er lässt nicht unerwähnt, dass immer neue Auflagen den Sportbetrieb in den Vereinen erschweren. Hinzu kommt eine verstärkte Konkurrenz durch andere Freizeitangebote und die Ganztagsschulen. Für die Zukunft könnte sich der Vorsitzende eine Kooperation mit den Schulen vorstellen.

Dabei ist sein Schießsportzentrum durchaus eine Kaderschmiede. Bei den Bezirks- und Landesmeisterschaften belegen die Apenser Schützen regelmäßig die vorderen Plätze. Dass schon die Kleinen den Weg in den Verein finden, ist vor allem dem Lichtpunktschießen zu verdanken, bei dem bereits Erstklässler mitmachen dürfen: anfangs Auflage, bald Freihand. Wenn sie ab einem Alter von zehn Jahren mit dem Luftgewehr schießen, „kennen sie die Bewegungen schon“, erklärt Rolf Bürger. „Damit sind sie bei Wettkämpfen relativ weit vorn“, sagt der Vereinvorsitzende.

Die Pause ist vorbei, das Team trudelt wieder im Schießstand ein. In einer Proberunde schafft Teilnehmer Felix, der heute zum ersten Mal ein Luftgewehr in der Hand hält, auf Anhieb zehn Ringe. Der Zehnjährige strahlt. Auch bei Sportschützin Swantje – die 13-Jährige halt vor sechs Jahren angefangen und trainiert inzwischen drei Mal im Monat – läuft es rund. Der erste Schuss bringt ihr neun Ringe. Betreuerin Monika Bürger hat das Spielbrett vorbereitet. Die etwas andere „Mensch ärgere dich nicht“-Partie kann beginnen.

Daniel Beneke für das Buxtehuder Tageblatt

https://www.tageblatt.de/lokales/apensen_artikel,-Hereinspaziert-ins-Apenser-Talentnest-_arid,1308269.html